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Die ultimative Herausforderung: Extrem-Hindernislauf statt Marathon

Geschrieben von jaana am 5. März 2018

Fachbereiche, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Die ultimative Herausforderung: Extrem-Hindernislauf statt Marathon

** Blogpostreihe des Interdisziplinären Projekts Soziale Lebens- und Problemlagen 2.0 **

Thema: Inklusion

Deutschland hat sich für die Teilnahme an einem Marathon entschieden. Der Startschuss ist gefallen. Jetzt gibt es keine Ausreden mehr. Wir sind verpflichtet, diese ultimative Herausforderung gemeinsam anzugehen. Seit 2009 laufen wir jetzt schon und trotzdem sind wir kaum über die ersten Kilometer hinausgekommen. Streckenposten melden ständige Schwierigkeiten auf dem Weg. Doch woran liegt es? Stolpersteine? Hürden? Ausreden gibt es viele. Es ist jedem selbst überlassen, weshalb es nicht wirklich vorangeht.Die ersten haben Wadenkrämpfe, fühlen sich alleingelassen auf dem schier endlos langen Weg und die Kraft für die Umsetzung wird langsam weniger….Wir verlangsamen außer Atem unsere Schritte und stellen fest, dass Inklusion an allgemeinbildenden Schulen wohl doch nicht so einfach und problemlos zu realisieren ist wie gedacht. Seit 2009 gilt in Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK). Sie beinhaltet die Forderung nach einem allgemeinen, inklusiven Bildungssystem für alle Kinder auf einer rechtlich verbindlichen Grundlage. Nach Artikel 24 der UN-BRK „gewährleisten die Vertragsstaaten ein inklusives Bildungssystem auf allen Ebenen“ (Art.24(1)).Um an einem Marathon teilzunehmen, trainiert man in der Regel sehr hart und lange. Im Inklusions-Marathon bestand das Trainingslager im Vorfeld jedoch aus vereinzelten, unsystematischen Erfahrungen mit der Einzelintegration von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Dieses Vorgehen führte dazu, dass Kinder mit leichteren Formen der Behinderung (was immer das bedeutet) plötzlich im allgemeinen Unterricht sichtbar wurden. Integration meinte allerdings, dass das zu integrierende Kind sich doch bitte an das herrschende Schulsystem anzupassen habe. Inklusion dagegen geht entscheidende Schritte weiter, und macht darum aus dem Marathon zusätzlich einen Hindernislauf, bestehend aus baulichen Hürden, fehlendem Personal und mangelnden finanziellen Mitteln. Auch das Fachwissen der Lehrkräfte entspricht nicht dem, was in der Praxis zur Umsetzung von inklusivem Unterricht benötigt wird. Kein Wunder also, dass eine aktuelle Forsa-Umfrage ergab, dass sich nur 2% aller Lehrkräfte die völlige Abschaffung von Förderschulen vorstellen können.Dadurch wird deutlich, dass zwischen Wunsch und Wirklichkeit eine sehr große Lücke klafft: Andere Länder, wie zum Beispiel Italien, sind in diesem Lauf schon lange an uns vorbeigezogen und haben uns in der Umsetzung von Inklusion überholt. Während wir noch dabei sind, uns am Verpflegungsstand mit der nötigen Energie zu versorgen, nehmen diese Länder einfach den Lauf und die Überwindung von Hindernissen in Angriff, nach dem Motto: Wer etwas will, findet Wege….Nachdem in Deutschland zwar viele von der Idee zur Teilnahme am Inklusions-Marathon begeistert sind, sollte jetzt endlich mal die richtige Ausrüstung zusammengestellt werden, damit in den Schulen sich wirklich etwas bewegen kann: Dazu gehören grundsätzlich kleine Klassen, festangestellte Förderschullehrkräfte an jeder Schule, die Anpassung der baulichen Gegebenheiten, ein großzügiger Finanzrahmen, über den die Schulen selbstständig verfügen können, um Personal oder Hilfsmittel einzukaufen. Vielleicht wäre es auch klug, das Feld von hinten aufzurollen und die (noch) bestehenden Förderschulen für alle Kinder zu öffnen, denn dort sind einfach viele gute Voraussetzungen bereits vorhanden.Trotz wackliger Beine und Blasen an den Füßen heißt es nun, einfach weiterzulaufen, die Hürden eine nach der anderen zu nehmen und dabei das Ziel im festen Blick zu behalten.Nach dem Motto: hinfallen, aufstehen, Krone richten, weiter gehts!(Beitrag von Nicole Romanus, Lisa-Marie Auricht, Lisa Stuhr)

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