Wunderlich und frei

Sie heißen Maike, Hauke und Gizmo und bilden zusammen das musikalische Gespann der „Woodlings“, was in etwa so viel bedeutet wie Waldlinge. Maike studiert Heilpädagogik an der Hochschule Nordhausen und Gizmo ist frisch gebackener RET-Absolvent. Der Name der Band kommt nicht von ungefähr, sondern ist bei näherer Betrachtung eine folgerichtige Konsequenz, denn wie sie selbst betonen, sind die drei Studenten gern draußen, atmen die Luft der Natur und folgen dem Takt des Waldes. Dass Hauke zudem in Göttingen „Forstwissenschaft und Waldökologie“ studiert, versteht sich in diesem Zusammenhang beinahe von selbst.

Das beständige Bedürfnis zum „Draußensein“ verdeutlicht sich mehr noch, wenn man sich die von Gizmo selbst produzierten Musikvideos ansieht: Der Wald und die Musik im Einklang als notwendiges Lebenselexier. Gizmo selbst bedient die Percussions und sagt von sich, dass er alles liebe, was laut ist und Krach macht. Sowieso scheint Gizmo diesbezüglich eine besondere Begabung zu besitzen, er ist der „Taktologe“ des Trios, der schon im Grundschulalter die Musikschule besuchte und seine Fähigkeiten am Schlagzeug seit über 14 Jahren unter Beweis stellt. Der sympathische Blondschopf aus Baden-Württemberg ist ein Perfektionist, der vorerst nicht gelernt hat nach Noten zu spielen, sondern sich daran versuchte, angehörtes Liedgut nachzuahmen.

Die stabil und verlässlich wirkende Gruppenkonstellation ist zumindest im musikalische Sinne (noch) nicht über Jahre hinweg zusammengewachsen, auch wenn der harmonisch produzierte Ton zwischen Maike, Hauke und Gizmo anderes vermuten ließe. Die Drei sind über ihr Wirken hinaus fest miteinander befreundet, was auch schon vor der „Entstehung“ der Woodlings der Fall war. Vielleicht ist es aber genau jene in der Freundschaft verborgene individuell geprägte Tonart, die eingebettet in ihrer harmonischen Vertrautheit, ihren ganz eigenen Weg eingeschlagen hat, Lieder entstehen und groß werden lässt. Dabei haben Hauke und Maike schon vor der Bandgründung im November 2015 gemeinsam musiziert. Seit sechseinhalb Jahren sind sie ein Paar. Die gebürtigen Westfalen wurden von Freunden und Bekannten angehalten, ihr musikalisches Können in die Öffentlichkeit zu bringen und Aufnahmen zu machen.

Die Entwicklung zur musikalischen Affinität war für Maike nahezu unvermeidbar. Beinahe könnte man meinen, sie sei ihr sogar in die Wiege gelegt worden. Schon der Großvater spielte Klavier, Bratsche und ebenso wie die angehende Heilpädagogin Geige. Die Neigung zum Musizieren schien sich wie ein bestimmtes Genom zu vererben, denn auch Mutter (Klavier und Cello) und Vater (Trompete) erlernten das Spielen von Instrumenten und so war es früher für die musikalische Familie nicht untypisch gewesen, gemeinsame Streichquartette und Gesangsabende zu veranstalten.

Die Texte von den Woodlings entstammen im Übrigen der Feder von Hauke, der schon Jahre vor der Band-gründung sein Gedankengut verschriftlichte. Hauke ist ein Autodidakt, der sich die Dinge gern selbst beibringt. Da ihm das Nachspielen von Liedern, anders als bei Gizmo, nicht gelingen wollte, da ihm niemand die richtigen Akkorde zeigte, schrieb er kurzum eigene Texte. Auf ein Genre will sich die Band nicht festlegen lassen. Vielmehr unterstreichen sie ihren höchst eigenen Stil, der vom Folk inspiriert Fundament bekam und Orientierung fand. Es seien insbesondere die warmen, erdigen Töne, die die Band anstimmen möchte, ohne dabei ihren „Ursound“ ausschließlich aufs Archaische reduzieren zu lassen. „Interessant und einzigartig“, so wurde einmal die Musik der Woodlings beschrieben, erinnert sich Maike. Aber auch Kommentare wie „wunderlich und frei“, sind der Bad Oeynhausenerin schon zugetragen worden. Jedoch können die an sie herangetragenen Zuschreibungen nur einen Teil dessen darstellen, was die Musik von den Woodlings in Wirklichkeit auszeichnet. „Lieder können wachsen“, ebenso wie die Band selbst.

So war es mehr einem Zufall zu verdanken, dass die „Kinder des Waldes“ in dieser Formation zueinanderfanden. Denn eigentlich sollte Gizmo einen Hauptact von Maria Jacoby im „Green Island“ begleiten. Dass er im Voraus auch noch Maike und Hauke mit den Percussions unterstützte und sich das Ganze auch noch als ein klangvoller Hörerschmaus entpuppte, war Sensation und Zufall zugleich. „Es passte, wie Arsch auf Eimer“. Der „heimatlose Trommler“, wie er selbst sagt, war angekommen. Und doch der Hauch einer „ursprünglichen“ Andersartigkeit fernab eines durch den gesellschaftlichen Mainstream akzeptierten radiokompatiblen elektronischen Fahrstuhlsound und einer stupiden Abfolge von Klangmomenten ist der Band nicht abzusprechen und begründet eine einzigartige, wunderliche Freiheit. Die Gründe dafür sind vielseitig. Dennoch der von Hauke, ebenfalls in Eigenregie, erlernte mongolische Kehlkopfgesang in zwei unterschiedlich modulierten Tonhöhen, die von Gizmo zu Krach und Lärm genötigte Djembe (eine afrikanische Trommel), sowie die besänftigende Stimme von Maike sind gute Bedingungen dieser Andersartigkeit Ausdruck zu verleihen.

Die Woodlings möchten gehört werden, wenngleich es dem einen oder anderen zukünftigen Akkustiker noch nicht bewusstgeworden ist. Das Publikum wächst und so konnten die Drei schon in Erfurt, in Rudolstadt beim Tanz- und Folklorefest (als Straßenmusiker), beim Nordhäuser Stadtfest, im erwähnten „Green-Island“ und beim Folkfest in Göttingen auftreten und die Bestaunenden musikalisch verzaubern. Für die Zukunft wünschen sich die Drei, einerseits das Fortschreiten des eigenen miteinander Reifens und anderseits das Erleben weiterer Abenteuer.

(Artikel: Sebastian Jander – Campusredakteur im Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit)

zum Woodlings-YouTube Kanal

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