„Hör auf du tust mir weh.“

** Blogpostreihe des Interdisziplinären Projekts Soziale Lebens- und Problemlagen 2.0 **

„Siehst du mich denn gar nicht? Was habe ich falsch gemacht? Ich weine doch so laut und versuche weg zu laufen, aber du schaust gar nicht her… Dann ist es wohl richtig so… Ich habe dich so lieb, Mama, aber du siehst mich nicht. Ich bin nicht gut genug für dich und es ist meine Schuld.“

Laut dem statistischen Bundesamt gab es 2016 45.800 eindeutige Fälle von Kindeswohlgefährdung in Deutschland. Davon 61% Vernachlässigung, 28% Psychische Misshandlung, 25% körperliche Misshandlung und 4% sexuelle Gewalt.

„Getröstet, dieses Gefühl kenne ich nicht.“

Zuneigung und Wärme braucht jedes Kind. Wenn emotionale- und Grundbedürfnisse (Schlaf, Nahrung) nicht erfüllt werden, liegt eine der häufigsten Arten von Kindeswohlgefährdung vor: Die Vernachlässigung.

Auch aktive Gewaltanwendungen wie treten, schlagen oder prügeln ist keine Seltenheit und gehört zur körperlichen Misshandlung. Alle Formen der Misshandlung/ Vernachlässigung gehören zur seelischen Misshandlung. Charakteristisch hierfür sind außerdem Haltungen und Gefühle der Erziehungsberechtigten.

„Bin ich damit allein?“

Gerade in der Altersstufe von sechs – zehn Jahren ist eine deutliche Zunahme festzustellen. Außerdem sind in allen Altersstufen, außer die der 14-18-jährigen vermehrt die männlichen Kinder und Jugendlichen betroffen.

„Ist es meine Schuld?“

Viele der Betroffenen weisen sich die Schuld für die Misshandlung zu und trauen sich nicht ihre Sorgen und Ängste zu äußern.
Gründe für eine Kindeswohlgefährdung sind laut Frederieke Alle multidimensional und können in dem Mikro -(innerhalb des Kleinkosmos der Familie)- und Makrosystem (soziales Umfeld, Gesellschaft), sowie auf der individuellen- und der ökonomischen Ebene liegen. Es ist erforderlich die Familie immer ganzheitlich zu betrachten, sowie den Fall individuell zu sehen.

„Sieht mich denn keiner?“

Oftmals werden Anzeichen falsch gedeutet oder nicht erkannt. Außerdem fühlen sich viele nicht verantwortlich, schauen weg und ignorieren was sie gesehen oder bemerkt haben.

Schmutzige oder kaputte Kleidung, schlechter Geruch und starke Müdigkeit? Keine äußeren Erscheinungen, die als Normalzustand für ein Kind gelten sollten. Nicht nur äußere Erscheinungen sind zu beachten. Auch die Äußerungen des Kindes, sowie ängstliches oder apathisches Verhalten im Bezug auf die Eltern kann ein Signal des Kindes sein.

„Kann mir denn keiner helfen?“

Das Hilfe Netzwerk ist nicht eng genug geknüpft, zu oft werden die zahlreichen Hilfeangebote wie z.B. Aufklärung für Eltern explizit bei Risikogruppen (psychische und körperlich erkrankte Elternteile, sowie besonders junge Eltern), Systemische Familienberatung/-hilfe oder Frühe Hilfen wie Frühförderung oder Familienhebammen nicht angenommen. Daher ist es umso wichtiger seine Umwelt bewusst wahrzunehmen. Schau hin!

Jedoch gibt es einige Organisationen, die sich um Aufklärung und Unterstützung bemühen
https://www.fruehehilfen.de
http://www.kinderschutz-niedersachsen.de/?0C8E2751E08140F9BAC1AB819A1033F3
https://www.awo-jugendhilfeverbund-suedharz.de/start/jugendhilfeverbund-suedharz/nordhausen/inobhutnahme/

(Beitrag von Carolin Wolf und Lisa König; Foto: Kat J – unsplash.com)

Schreibe einen Kommentar